Biogas verbindet Stadt und Land und zeigt, wie die Energiewende auf vorhandenen lokalen Ressourcen aufbauen kann. Besonders wertvoll ist Biogas für Industriezweige, die sich nur schwer elektrifizieren lassen und sehr hohe Prozesstemperaturen benötigen.

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Biogasanlagen in der Region Sønderborg. Zwei in Kværs und eine in Glansager.

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Millionen m³ Biogas (CH₄) wurden 2025 in der Region Sønderborg produziert.

Die Lösung liegt in der Landschaft

Für die Energiewende gibt es keine Universallösung. Sinnvoll ist es, mit den Ressourcen zu beginnen, die vor Ort verfügbar sind.

Norwegen nutzt die Wasserkraft seiner Berglandschaft, Island die Erdwärme seines vulkanischen Untergrunds und Marokkos Wüsten bieten ideale Bedingungen für Solarenergie.

In Dänemark und Sønderborg prägt die Landwirtschaft die Landschaft. Dabei entstehen Gülle und andere organische Reststoffe, die in Biogasanlagen zur Energiegewinnung genutzt werden können.

Biogas löst gleich mehrere Aufgaben auf einmal: Es unterstützt Landwirtschaft und Industrie, reduziert CO₂-Emissionen und stärkt die Versorgungssicherheit.

Dänemark gehört bei Biogas zu den europäischen Spitzenreitern. Sønderborg ist sogar noch einen Schritt weiter: Die Region kann ihren Gasbedarf vollständig mit lokal produziertem Biogas decken.

Was hat zu den Ergebnissen geführt?

Vom Reststoff zur Ressource

Eine Biogasanlage funktioniert ähnlich wie der Magen einer Kuh.

Frisst eine Kuh Gras, zersetzen Bakterien im Magen das Futter und erzeugen dabei Methan und CO₂. In einer Biogasanlage läuft ein ähnlicher biologischer Prozess ab – nur mit Gülle und anderen organischen Reststoffen wie Lebensmittel- und Industrieabfällen. Der entscheidende Unterschied: Die entstehenden Gase werden aufgefangen und genutzt.

Dabei entstehen etwa 60 % Methan und 40 % CO₂. Das Methan kann als Energie genutzt werden und fossiles Gas im Netz ersetzen. Das CO₂ lässt sich speichern oder weiterverwenden – etwa in der Lebensmittelproduktion, zur Erzeugung von zusätzlichem Methan oder in Power-to-X-Prozessen für alternative Schiffskraftstoffe.

Dänemark produziert seit den 1980er-Jahren Biogas. Heute arbeiten Landwirtschaft, Energiewirtschaft und Industrie dabei eng zusammen. Mit rund 40 % hat Dänemark den höchsten Biogasanteil im Gasnetz Europas – mit dem Ziel, langfristig 100 % zu erreichen.

In Sønderborg ist die Biogasproduktion bereits so hoch, dass sie rechnerisch den gesamten Gasverbrauch der Region deckt. Zwei Biogasanlagen in Kværs und eine in Glansager produzieren zusammen entsprechend viel Biogas.

Biogas spielt eine besondere Rolle im Energiesystem, weil es dort eingesetzt werden kann, wo eine Elektrifizierung nicht möglich ist. Gleichzeitig ist es eine begrenzte Ressource, die gezielt genutzt werden sollte. Für Privathaushalte sind Fernwärme und Wärmepumpen die bessere Wahl. In Industrieprozessen mit sehr hohen Temperaturen – etwa in Ziegeleien – kann Biogas hingegen fossile Brennstoffe ersetzen.

Lokale Landwirte treiben Sønderborgs Energiewende voran

Die Biogasentwicklung in Sønderborg findet nicht nur in großen Anlagen statt. Mehrere landwirtschaftliche Betriebe betreiben eigene Biogasanlagen, in denen Gülle und andere organische Reststoffe zu Energie werden. Dabei wird das Biogas auf unterschiedliche Weise genutzt – ein gutes Beispiel für die Vielseitigkeit der Technologie.

In Nordborg wandelt ein Landwirt Biogas in Strom um und speist ihn ins Netz ein.

In Kværs ist ein lokaler Schweinehalter noch einen Schritt weiter gegangen: Seine Biogasanlage ist direkt an das Gasnetz angeschlossen und trägt damit zur regionalen Gasversorgung bei.

Auch die Landwirtschaftsschule Gråsten setzt auf Biogas. Ihre Anlage nutzt ausschließlich Gülle von den eigenen Kühen und Schweinen und versorgt die Schulgebäude mit Strom und Wärme. Gleichzeitig dient sie als praxisnaher Lernort, an dem die Schülerinnen und Schüler moderne, kreislauforientierte Energieerzeugung erleben.

Alle drei Beispiele folgen demselben Prinzip: lokale Ressourcen zuerst nutzen. Das schafft Wert vor Ort, reduziert den Klima-Fußabdruck der Landwirtschaft und verringert die Abhängigkeit von Gasimporten.

Die weltweit erste Power-to-Gas-Anlage

Viele kennen den Anblick: Es weht kräftig, doch die Windräder stehen still. Denn Stromproduktion und -verbrauch müssen weitgehend im Gleichgewicht sein, und Strom lässt sich nur begrenzt speichern. Auch hier kann Biogas eine Rolle spielen.

In Glansager steht die weltweit erste Power-to-Gas-Anlage, die mit einer Biogasanlage verbunden ist. Sie nutzt überschüssigen Strom aus Wind- und Solarenergie, wenn mehr produziert als verbraucht wird. Per Elektrolyse wird Wasser mithilfe von Strom in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Der Wasserstoff gelangt anschließend in den Biogasprozess, reagiert dort mit CO₂ und bildet zusätzliches Methan.

So gewinnt die Biogasanlage aus derselben Menge an Reststoffen deutlich mehr Methan.

Die Anlage lässt sich je nach Bedarf ein- und ausschalten und kann so gezielt Zeiten mit überschüssigem erneuerbarem Strom nutzen. Power-to-Gas erhöht damit nicht nur die Biogasproduktion, sondern hilft zugleich, das Energiesystem auszubalancieren.