Biogas entsteht aus Gülle, Lebensmittelabfällen und anderen Reststoffen. In Kombination mit Power-to-Gas lässt sich aus derselben Menge Biomasse jedoch noch mehr Gas gewinnen. Aber wie funktioniert das?
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Gleiche Reststoffe – mehr Energie
Die Biogasanlage in Glansager ist alles andere als gewöhnlich.
Hier wird Strom aus Wind und Sonne genutzt, um aus derselben Menge organischer Reststoffe noch mehr Biogas zu erzeugen.
Die Magie entsteht in der weltweit ersten netzgekoppelten Power-to-Gas-Anlage. Dem Rohbiogas wird Wasserstoff zugesetzt, wodurch mehr Biomethan entsteht. Dieses kann anschließend ins Gasnetz eingespeist werden und fossile Energieträger ersetzen.
Zum Glück ist die Technik weit weniger geheimnisvoll, als sie klingt. Sie lässt sich problemlos von Biogasanlagen weltweit übernehmen und im großen Maßstab einsetzen.
So können bislang oft ungenutzte Reststoffe deutlich besser verwertet und die Energiewende weiter beschleunigt werden.
Hinter den Ergebnissen
Chemie für den Klimaschutz
Biogas ist ein wichtiger Baustein des Energiesystems – vor allem dort, wo eine Elektrifizierung nur schwer möglich ist. Entscheidend ist, das unvermeidbare organische Restmaterial aus Haushalten, Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie möglichst effizient zu nutzen.
Genau das geschieht in Glansager. Dort arbeitet die Biogasanlage mit der weltweit ersten kommerziellen Power-to-Gas-Anlage zusammen und holt deutlich mehr Energie aus denselben Reststoffen.
Der Prozess umfasst drei Anlagen: eine Biogasanlage, eine Elektrolyseanlage und eine Methanisierungsanlage.
Die Biogasanlage funktioniert wie jede andere: Bakterien zersetzen Gülle, Stroh und Lebensmittelreste. Dabei entsteht Biogas mit einem Anteil von rund 60 % Methan und 40 % CO₂.
Anschließend übernimmt die Power-to-Gas-Anlage.
In der Elektrolyseanlage wird Wasser mithilfe von Strom in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten.
Der Wasserstoff gelangt danach in die Methanisierungsanlage. Dort reagiert er mit dem CO₂ aus dem Biogas und bildet zusätzliches Methan. Dadurch verschiebt sich das Verhältnis auf etwa 90 % Methan und 10 % CO₂.
So entsteht aus derselben Menge Reststoffe deutlich mehr Gas. Es wird ins Gasnetz eingespeist und ersetzt fossile Brennstoffe in Bereichen, die sich nur schwer elektrifizieren lassen – etwa in der Schwerindustrie oder der Schifffahrt.
Die Brücke zwischen Strom- und Gasnetz
Wind- und Solarenergie liefern Strom, wenn das Wetter es zulässt – nicht unbedingt dann, wenn der Bedarf am größten ist.
Deshalb gibt es Zeiten mit Strommangel, aber auch mit Überschüssen. Aus diesem Grund stehen Windräder manchmal trotz Wind still: Es wird schlicht mehr Strom erzeugt, als benötigt wird.
Hier zeigt Power-to-Gas seine Stärke. Überschüssiger Strom wird sinnvoll genutzt, statt verloren zu gehen.
Die Anlage kann je nach Bedarf ein- und ausgeschaltet werden und nimmt genau den Strom auf, der sonst ungenutzt bliebe.
Überschüssige erneuerbare Energie wird so zu grünem Gas.
Das entlastet das Stromnetz und erleichtert die Integration großer Mengen an Wind- und Solarenergie, weil das Energiesystem einen zusätzlichen Speicher erhält.
Damit ist die Anlage in Glansager ein aktiver Bestandteil des regionalen Energiesystems und ein Vorbild dafür, wie andere Städte mehr aus erneuerbaren Energien machen und gleichzeitig ihre Versorgungssicherheit stärken können – auch bei wechselhaftem Wetter.
Energieautarkes Sønderborg
Was haben Kartoffelschalen, Hühnermist und Kaffeesatz gemeinsam?
Sie alle können in einer Biogasanlage zu Energie werden.
In Sønderborg ist diese Technologie inzwischen so weit entwickelt, dass sich die Region theoretisch vollständig mit lokal erzeugtem grünem Gas versorgen kann.
Die beiden Anlagen in Kværs und die Anlage in Glansager produzieren zusammen jedes Jahr so viel Biogas, wie im gesamten Raum Sønderborg verbraucht wird.
Power-to-Gas trägt außerdem zur Lösung einer der größten Herausforderungen der Energiewende bei: der Energiespeicherung.
Überschüssiger Strom aus Wind- und Solaranlagen wird in Methan umgewandelt. Dieses kann im bestehenden Gasnetz oder in Gasspeichern gespeichert und bei Bedarf genutzt werden.
So wird überschüssige erneuerbare Energie zu einer Energiereserve, die fossile Brennstoffe ersetzt, landwirtschaftliche Reststoffe aufwertet und gleichzeitig die regionale Versorgungssicherheit stärkt.