Die Landwirtschaftsschule Gråsten betreibt einen besonderen landwirtschaftlichen Betrieb. Auf dem Hof wird grüne Energie erzeugt und zur eigenen Wärmeversorgung genutzt, während die Schüler*innen auf elektrischen Miniladern unterwegs sind – Seite an Seite mit selbstfahrenden Robotern. Der landwirtschaftliche Betrieb der Schule ist ein Vorzeigebeispiel dafür, wie die grüne Transformation der Landwirtschaft in der Praxis aussehen kann.
16 %
59 %
Was wäre, wenn die Landwirtschaft CO₂-neutral werden könnte?
Lebensmittel zu produzieren, ohne dabei einen Klima-Fußabdruck zu hinterlassen, ist ein wenig so, als würde man pflügen, ohne den Boden zu berühren – fast unmöglich.
Doch was wäre, wenn die Landwirtschaft ihre Maschinen elektrifizieren, das CO₂ aus dem Biogas auffangen und sich selbst mit Strom und Wärme versorgen könnte?
An der Landwirtschaftsschule Gråsten ist man genau damit bereits gut unterwegs – und mit vielem mehr.
Die Schule bildet die Landwirt*innen von morgen aus und betreibt gleichzeitig einen aktiven landwirtschaftlichen Betrieb, in dem sowohl Lebensmittel als auch Energie erzeugt werden.
„Es ist doch viel schöner, Teil der Lösung zu sein als Teil des Problems“, wie Schulleiter Bjarne Ebbesen betont.
Hinter den Ergebnissen
Der Traum von der Selbstversorgung
Dänemark ist das erste Land der Welt, das eine CO₂-Abgabe für die Landwirtschaft einführt. Ab 2030 müssen dänische Landwirt*innen 120 Kronen für jede Tonne CO₂ zahlen, die sie ausstoßen. Ziel ist es, die Klimabelastung der Landwirtschaft zu reduzieren, die derzeit rund ein Drittel der gesamten CO₂-Emissionen Dänemarks ausmacht.
An der Landwirtschaftsschule Gråsten wird die grüne Transformation nicht als Problem gesehen – sondern als eine Herausforderung mit Chancen. Hier arbeitet man sowohl daran, Methanemissionen aus der Tierhaltung zu reduzieren, eigenes Gemüse zu produzieren als auch energieautark zu werden.
Die Schule erzeugt ihren eigenen Strom über Solaranlagen auf den Dächern, die an ein Batteriesystem angeschlossen sind, das die Energie speichern kann. Darüber hinaus betreibt die Schule eine Biogasanlage, in der Gülle von den eigenen Kühen und Schweinen zu Strom umgewandelt wird – ein Prozess, bei dem gleichzeitig Abwärme für die Beheizung der Gebäude entsteht.
Diese Abwärme deckt heute 16 % des gesamten Wärmebedarfs der Schule. Das entspricht einer Einsparung von einem großen Strohballen pro Tag, und in den Sommermonaten steht der Strohheizkessel vollständig still. Die verbleibende Wärme stammt derzeit noch aus Stroh, doch innerhalb weniger Jahre soll der Strohheizkessel vollständig durch elektrisch betriebene Wärmepumpen ersetzt werden.
Die neueste Initiative der Landwirtschaftsschule ist ein CO₂-Tank, in dem CO₂ aus dem Rauchgas abgeschieden wird, das bei der Verbrennung des Biogases entsteht, und anschließend gespeichert wird. Dies ist Teil eines dreijährigen Projekts, das das Potenzial der CO₂-Abscheidung in der Landwirtschaft aufzeigen soll.
Von Pferdestärken zu Kilowatt
Die grünen Landwirt*innen der Zukunft wachsen in Gråsten heran
An der Landwirtschaftsschule Gråsten werden die Landwirt*innen der Zukunft auf Grundlage eines zirkulären Denkansatzes ausgebildet.
Alle Schüler*innen, die eine Ausbildung zur/zum Fachlandwirt*in absolvieren, haben das Fach Nachhaltigkeit. Der Fokus liegt dabei sowohl auf wirtschaftlicher als auch auf ökologischer Nachhaltigkeit – ein Thema, das sich auch in den übrigen Fächern der Schule wiederfindet.
Die Schüler*innen werden aktiv in die Energieproduktion der Schule eingebunden und sammeln praktische Erfahrungen mit der Biogasanlage und den weiteren grünen Initiativen auf dem Hof. Auf diese Weise sehen sie, wie lokale Ressourcen smarter genutzt werden können, und lernen, unterschiedliche Prozesse als zusammenhängendes Ganzes zu denken.
Gleichzeitig hat die Schule eine Gärtnerin bzw. einen Gärtner in Vollzeit angestellt, um sich selbst mit Gemüse zu versorgen. So können die Schüler*innen die Lebensmittel, die ihnen in der Kantine serviert werden, selbst anbauen.
Eine der kommenden Initiativen ist ein Agroforstprojekt, bei dem Obstbäume mit Feldfrüchten kombiniert werden. Das stärkt die Biodiversität und macht den Anbau widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels.
Denn die Welt befindet sich im Wandel – doch Lebensmittel werden weiterhin benötigt. An der Landwirtschaftsschule Gråsten zeigt man, dass eine grüne Transformation der Landwirtschaft möglich ist, wenn man bereit ist, die Ärmel hochzukrempeln.